Gedanken am Rande...

Remos wundersame Wege

(Dieser Text ist ein Gedankenspiel zu dem Turmbauprojekt von Remo Stoffel in Vals/Gr, bezogen auf Artikel im TA vom 26.3.15 „Geschäfte und offene Rechnungen“ resp. „Der Honigverkäufer“ NZZ a.So. 29.3.15)


Chapeau! Das war schon gerissen, wie er das hingebracht hat, dass der Bericht über den Turmbau zu Vals vor dem 1.4. erscheinen konnte und so ein geniales Projekt dem traurigen Schiksal eines billigen Aprilscherzes entrissen werden konnte! Aber eigentlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie uns da zwei herzig-listige Äuglein zwischen den giacobboartigen Ohren unter der lustigen Lagerfeldbrille anschauen. Sind wir doch ehrlich: Es gibt nicht viele so lustige, innovative, teilweise sogar verschlagene Bürger in Graubünden! Daher – erste Promotion – Aufnahme ins Kataster von pro specie rara. Und wenn man ein bisschen zurückschaut, muss doch festgehalten werden, dass auch nicht so manche graue Bündnermaus den Mut und die Genialität hatte beim Grounding der Swissair vor Ort zu sein, da und dort zu antichambrieren, mit Geld und Versicherungen zu jonglieren, und dann ein Finanzimperium aufzubauen. Und die Cleverness wie er der Gemeinde Vals ihre Therme entwinden konnte! Das könnte doch manchen selbsternannten Marketingund Finanzspezialisten vor Neid erblassen lassen. Daher – zweite Promotion – Verleihung eines Doktor honoris causa in Ökonomie der HSG. Aber man wird ihm nicht gerecht, wenn man nicht auch seine Menschlichkeit und seinen Humor betrachten würde, wie er tiefe Autonummern der Öffentlichkeit abrang und für eine Kinderambulanz spendete. Oder wie es ihm gelang, als durchschnittlich begabter Schneebrettrutscher, das Herz seiner Snowboardkönigin Manuela zu erobern, indem er sie einfach in voller Abendgarderobe in einen Pool stiess und diese sich vor Lachen über soviel Lustigkeit nicht mehr halten konnte und hoffnungslos seinem Charme und Charisma verfiel. Da verblassen doch die 1000 Rosen von Gunther Sachs aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, welche dieser für Brigitte Bardot am Strand von St Tropez ablud, zur blassen Aktion eines reichen Schnösels aus betuchtem Haus. Daher – dritte Promotion – Doktor humoris causa der psychologischen Fakultät der Universität Zürich, Spezialabteilung Neurowissenschaften, mit Forschungsschwerpunkt Humor, Genialität, Erfolg. Und nun die Krönung – vierte Promotion: Ich denke, er hätte es verdient, und der Eidgenossenschaft würde es gut tun, ihn als 8. Bundesrat, honoris und humoris causa, nach Bern zu berufen. Im Sinne einer win-win Situation könnte man ihn ja der SVP schenken, dann hätte diese endlich ihren zweiten Bundesratssitz und Christoph Blocher könnte beruhigt die Finanzierung seiner Truppe in jüngere Hände legen, um sich ins Reduit nach Rhäzüns zu begeben. Und was folgte dann? Wie es im Leben oft so läuft, konnte auch Adolf Ogi, der alte Haudegen der goldenen Tage von Sapporo, wie Remo ein Bergler, geformt in der Primarschule Kandersteg, noch einmal für einen letzten Einsatz als Coach im Interesse der Partei für Remo gewonnen werden. Die Synergien der Bergler trugen Früchte, und auf wundersame Weise gelang es dem jüngsten aller Bundesräte die ganze Verwaltung, National- und Ständerat dazu zu bewegen, in einem gigantischen Umzug nach Vals zu zügeln, um dort in würdiger Atmosphäre im grossen Turm zu regieren. In weiser Voraussicht aller Eventualitäten hatte Remo bereits– um allfälligen böswilligen und gehässigen Kommentaren aus der EU vorzubeugen – schon damals angeordnet, den Turm nicht mit Elfenbein sondern original Valsergranit zu verkleiden. In der Folge beschloss die Delegiertenversammlung der SVP, aus Dankbarkeit über das gelebte Beispiel einer reinschweizerischen Masseneinwanderung in ein Bergtal, zwar das alte Kürzel zu belassen, dieses aber konsequent mit Super Valser Partei zu übersetzen. Nun, die weitere Entwicklung ist nicht mehr so lustig, da mit den Jahren die Stimmung im Bergdorf langsam kippte, als sich zum einen zeigte, dass der Turm mit seinem Riesengewicht, die wasserführenden Gesteinsschichten immer mehr zusammendrückte und die Thermalquelle langsam zu versiegen begann. Zum anderen war es dem Franzosen Dominique Strauss Kahn (DSK) gelungen, die auf frisch, jung, knackig und spritzig restaurierte Penthouse Wohnung in der „Femme de Vals“ Silvio Berlusconi vor der Nase wegzuschnappen und dieser sah sich gezwungen zu akzeptieren, dass jetzt DSK immer obenauf hocken und er in der Wohnung untendran würde schlafen müssen.

Als sich unter diesen Prämissen das Hotel Carlton in Lille entschloss, eine Osterweiterung zu wagen und im Keller des Turms die Granitbar übernahm, begann an den kühlen Sommernächten und langen Winterabenden ein reges Leben mit Freundschaften, Liebschaften und Beziehungen zwischen den Parlamentariern, den noblen Hotelgästen aus Russland, Kasachstan, China, Japan, Brasilien und der ganzen Welt. Remo konnte seine seit der Hochzeit in Moskau hervorragenden Beziehungen zum Kreml spielen lassen, und als Attraktion ritt Wladimir Putin, jeweils zur Eröffnung der Herbstsession, auf einer ca 20 jährigen Valser Steingeiss mit entblösstem Oberkörper und nur einem kunstvoll aus der Vorhaut von sibirischen Säbelzahntigern gewirkten Lendenschutz bekleidet, stolz durchs Dorf. Während man das allgemein noch recht lustig und mutig empfand, machte sich im Dorf ein gewisser Unmut breit als man erfuhr, dass Silvio Berlusconi die Leitung des Valser Jungfrauenchores übernehmen wolle. Hingegen war man allgemein beruhigt, dass DSK versicherte, er wolle bei seinen Aufenthalten in Vals immer, auch wenn er nur mit dem Morgenmantel bekleidet wäre, sich darauf beschränken, einen echt französischen Rettungsschirm über den lokalen Finanzen aufzuspannen. Im übrigen aber entfaltete sich zur grossen Freude Remos ein reges gesellschaftliches Leben im Turm, wo man u.a. auch sehr die Abende mit Carla Bruni-Sarkozy am Kaminfeuer schätzte, wenn sie mit sentimental-rauher Stimme von ihren Nächten mit Eric Clapton und seiner harten Bluesgitarre erzählte, oder man in der Sauna den Gesprächen zwischen Nicolas, Silvio und DSK lauschen konnte. Da streckte Nicolas selbstbewusst - freimütig sein Bäuchlein in die Wärme, während Silvio jeweils, entgegen den lokalen Gepflogenheiten, mit einem Ganzkörperbadeanzug erschien, um nicht eine Verlagerung des Gesprächs hin zu den Vorteilen des Ganzkörperliftings zu provozieren. DSK war leider seit der Carltonaffäre vielfach recht schweigsam und schien v.a. darauf bedacht, seine durch die längere Enthaltsamkeit aufgeschwollenen Tränensäcke, intensiv ausschwitzen zu können. Zu später Stunde trafen sich dann aber doch meistens alle irgendwie in der Bar und Silvio meinte, die früheren Bunga-Bunga Partys mit Muhammed Gadaffi seien gegenüber den Valsernächten pseudofröhliche soireen älterer Herren mit müden, ausgebrannten nordafrikanischen Asylantinnen gewesen. Die stillen Tage und lauten Nächte begannen aber immer mehr Früchte zu tragen, und so begann der multikulturelle und –ethnische Nachwuchs alsbald das Dorf zu überschwemmen, und die alteingesessenen Ur-Valser Kinder zu verdrängen. Es brodelte zunehmend im Dorf, und die Gruppe der provalserischen Separatisten bekam immer mehr Zulauf. Als schliesslich Christoph Blocher sich mit einer der AUNS nahestehenden Einsatztruppe von Rhäzüns aus Richtung Vals in Marsch setzte, um für Recht und Ordnung im Bergdorf zu sorgen, entgleiste die Lage total. In einer Nacht und Nebelaktion wurde das ganze Parlamentarier- und Touristenpack aus dem Dorf gejagt, der Turm geleert und Remo darin eingesperrt. Man setzte ihn auf Wasser und Brot, liess ihn hungern und bezeichnete das Gebäude in den vielen Diskussionen und Gesprächen im Dorf einfach als Hungerturm. Remo wäre aber nicht Remo, wenn ihm das den Schneid abgekauft hätte. Im Gegenteil: pfiiffig und listig wie eh und je, gelang es ihm, sich an seinen eigenen, in der Zeit der Gefangenschaft lang gewachsenen Haaren, houdiniartig abzuseilen und sich zu seiner Frau durchzuschlagen. Diese aber hatte in den Jahren der Trennung, und nachdem die Kinder gross geworden waren, wieder angefangen in der Halfpipe zu trainieren und sich auf die Senioren-WM vorzubereiten. Manuela, immer noch fasziniert vom Humor und Esprit ihres Remo, nahm ihn beim Wort, als er sie fragte, ob eventuell noch die Stelle des Servicemans frei wäre...Und dann gab es doch noch ein kleines Happyend – man ahnt es schon : Manuela wurde wieder Weltmeisterin, und als sie sich nach der Siegerehrung in den Armen lagen, flüsterte sie ihm leise ins Ohr, dass er für sie immer noch der Grösste wäre und keiner die Bretter so gut schmieren könne wie er...

Ohne ihn hätte sie es nie so weit geschafft, und er hätte sich jetzt wirklich qualifiziert für die nächste Runde...

04.2015


Risiko

Do you like the risk? Sind Sie risikophil oder risikoaversiv? Sind Sie ein Freund des Risikos, folglich „risikofreundlich“, haben Sie Freude am Risiko, folglich „risikofreudig“, oder vielleicht sogar „verliebt“ ins Risiko? Aber Vorsicht, Sie wissen ja: Verliebtheit impliziert immer „un brin de folie“, eine Prise „Verrücktheit“, eine Prise absoluter, fast realitätsferner Begeisterung. Damit würden Sie automatisch in die Kategorie „nicht mehr ganz normal“ gehören,  hätten sich von der Normallinie entfernt. Nur: was heisst schon normal? Wer bestimmt die Norm? Wäre „couch-potato“ normaler?

Wahrscheinlich schon, statistisch gesehen. Aber Sie suchen das Abenteuer, den Nervenkitzel, Sie reizen die Möglichkeiten aus, ganz, total, Sie gehen bis ans Limit. Das macht Ihnen Spass! Mit dem „Absturz“ spielen, dem „Abflug“,  dem „Abwurf“. Sie geben alles, gehen „aufs Ganze“, spüren, dass Sie das wollen, auf dem richtigen Weg sind. Sie sind bereit alles einzusetzten, Ihre Sicherheit, Ihre Gesundheit, vielleicht sogar Ihr Leben. Sie spüren das Faszinosum, sind nicht „couch-potato“ sondern „motion-boar“. Sie wären vielleicht sogar bereit dafür zu sterben, obwohl Sie ja leben wollen, es aus Lebenslust machen, aus Liebe zu einem intensiven Leben, einem prickelnden Leben. Und Sie schaffen es, mit Ihrer Hartnäckigkeit, Ihrer Unerbittlichkeit, Ihrer Leidenschaft, Ihrer inneren Weisheit. Die Niederlage  hat keine Chance gegen Ihre  Phantasie, Kreativität, Bestimmtheit, Entschlossenheit und Sicherheit.

Sie schaffen es, packen es, sind der Sieger -  the champion!

11.2011


Animalisch konfus oder intuitiv richtig?

Es war mäuschenstill an diesem rabenschwarzen Tag, als er endlich die Schmusekatze aus dem Sack liess. Er, dieser geile Bock, damals so stur wie ein Esel, sah jetzt mit Adleraugen wie ein junges Reh, in einer Landschaft fast wie „unter Geiern“, den Tiger in den Tank packte. Dieses verrückte Huhn hatte doch damals schon immer wie ein bissiger Köter, als ob es von der Tarantel gestochen worden wäre, gekämpft, bis es dann doch einmal wie der Ochs am Berg dagestanden war. Aber auf den Hund gekommen war es deswegen nicht. Eher wie ein stolzer Gockel, mit seinem untrüglichen Elefantengedächtnis, wollte es den Schweinehund überwinden, den inneren. Endlich mal richtig die Sau rauslassen, kämpfen wie ein Löwe, wenn es sein müsste schnell wie ein Windhund, vielleicht sogar flink wie ein Wiesel. Oder bärenstark? Dabei hatte diese dumme Kuh vergessen, dass sie eigentlich ein sturer Ochs war, der – wie ein Elefant im Porzellanladen – sich immer aalglatt jeder Verantwortung entzog. Und obwohl er eigentlich hundemüde war, stürzte er sich noch mit einem Bärenhunger, dieser schlaue Fuchs, in den Karpfenteich, der voll toller Hechte war. Und da alles so mucksmäuschenstill schien, eben stumm wie ein Fisch, legte er sichauf seine Bärenhaut hin und wenngleich er wie ein Sperber aufpasste fühlte er sich dabei doch pudelwohl und schlief wie ein Murmeltier.

08.11.2010


 

Resilienz

Die deutsche Wortbildung des englischen „resilience, resiliency“ geht zurück auf einen primär physikalischen Begriff aus dem Bereich der Materialprüfung. Dort beschreibt er die spezifische Eigenschaft einer Materie, gegenüber äusseren Einflüssen wie Verbiegung, Verwindung, Verdrehung etc, seine ursprüngliche Struktur zu behalten. In Cassell's German-Englisch Dictionary wird der Begriff auch mit Zurückprallen, Abprallen, Springkraft, Spannkraft und Elastizität übersetzt. Im psychologisch - psychiatrischen Bereich meint Resilienz die Fähigkeit von Menschen gegenüber als störend erlebten Einflüssen abweisend zu sein, sich gewissermassen in der ursprünglichen Haltung, Einstellung oder Orientierung nicht stören zu lassen. Diese „Abweisung“ kann sich sogar auf Umstände beziehen, welche von anderen Personen als sehr belastend, evtl. sogar als traumatisierend erlebt werden. Seelische Robustheit, Belastbarkeit und Abhärtung sind Begriffe die in eine ähnliche Richtung weisen.
Aber wie resilient wollen Sie sein? Wie viel Empfindlichkeit wollen Sie sich leisten? Was möchten Sie alles „wegstecken“, an sich abtropfen lassen und wo ziehen Sie es vor sich berühren zu lassen, „getroffen“ zu werden? Wie intensiv möchten Sie sich allenfalls von irgendetwas oder irgendjemand berühren lassen? Sehen Sie den „Weg der Tugend“ eher darin, ihren einmal gefassten Plan trotz aller widrigen äusseren und inneren Umstände entschlossen durchzuziehen oder ziehen Sie es vor, ihre Vorhaben „anzupassen“, gewissermassen flexibel auf die sich ändernden und geänderten Umstände zu reagieren? Sind Sie der Ansicht, dass diese Haltung einen bewussten oder eher einen unbewussten Prozess ausdrückt? Und wenn es unbewusst wäre: Könnten Sie sich vorstellen, diese Haltung bewusst mehr und mehr ihren Bedürfnissen anzupassen? Und wenn es bewusst wäre: Könnten Sie sich vorstellen daran zu arbeiten, dass eine neue Haltung sich so stark zu einem Teil von ihnen entwickelt, dass diese mehr und mehr selbstverständlich wird, sich automatisiert und so allmählich als Teil ihres Unbewussten hinzukommt? Wie stark möchten Sie bleiben wie Sie sind und wie viel möchten Sie sich verändern? Sind Sie sicher, dass Sie schon die Person geworden sind die Sie sein könnten oder ziehen Sie es vor, auf die Person zu verzichten die Sie werden könnten, zugunsten der Person, die Sie im Moment schon sind? Faites vos choix !

10.04.2010

 

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